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Ein Ziegelmuseum?

Vielfach wurde diese Frage den Mitgliedern des Fördervereins "Museum Bad Herrenalb" gestellt: Ein Ziegelmuseum? In Bad Herrenalb? Gehören Ziegel nicht eher aufs Dach als in ein Museum?

Natürlich: Ziegel gehören in der Tat aufs Dach. Sie schützen ein Haus gegen die Einflüsse von Wind und Wetter. Seit Menschengedenken leisten sie damit den Menschen gute Dienste. Aber Ziegel ist nicht gleich Ziegel. Bevor sie maschinell und in großer Stückzahl hergestellt wurden, wurden sie von Hand geformt und gebrannt. (Heutige Handstrichziegel s.u. Links) Und die Ziegler, sie herstellten, hatten ihre Eigenheiten und besonderen Zeichen, an denen man ihre Arbeit erkennen konnte.

Feierabendziegel

Ganz besonders gilt das für die so genannten Feierabendziegel. Sie wurden mit bestimmten Zeichen, Symbolen oder Aufschriften verziert. Da kann man z.B. lesen, wie viel Lohn ein Ziegler erhielt und manchmal auch, wie zufrieden er damit war ("Wer das Trinkgeld thut vergessen, den soll gleich der Teufel fressen"). Es gibt Abwehrzeichen, die Schaden vom Haus abhalten sollten. Auf manchen Dächern finden sich betende Nonnen oder Mönche, auf anderen Hexen oder so genannte Neidköpfe, wieder andere lassen einen Lebensbaum erkennen. Wenn im Haus oder in der Familie während der Herstellung der Ziegel etwas Besonderes geschah, so findet sich nicht selten ein Hinweis darauf auf einem Feierabendziegel. Von der Wiege bis zur Bahre, alle denkbaren Widerfahrnisse des Lebens sind auf diesen Ziegeln festgehalten. "Schnipp, schnapp, und der Lebensfaden ist ab" heißt es auf einem Ziegel aus dem 17. Jahrhundert vom Kloster Maulbronn. Kriege und Friedenszeiten werden auf den Ziegeln festgehalten. Und auch sehr handfeste und bisweilen derbe Sprüche und Darstellungen kann man auf den Ziegeln finden. Aus diesem Grund sind die Ziegel ein beredtes Zeugnis für das Alltagsleben der Menschen; und eben aus diesem Grund sind sie so interessant.

Der Standort "Im Kloster 2"

In der Stadtmitte von Bad Herrenalb findet das Ziegelmuseum einen hervorragenden Standort. Das liegt zum einen an dem schönen Haus, in dem das Museum untergebracht ist, und an der reizvollen Umgebung mitten in dem alten Klosterbezirk. Das Haus selbst ist ein schindelverkleidetes Fachwerkhaus, es wurde 1860 als "Gartenhaus zum Kurhaus" erbaut und ist im Besitz der Stadt Bad Herrenalb. Es liegt zum anderen aber auch am ehemaligen Kloster selbst: Exponate aus der eigenen Ziegelsammlung zählen zu den europäisch frühesten,  datierten Feierabendziegeln aus dem 15. Jhdt. und werden Bestandteil der Ausstellung. Sie helfen auf ihre Weise mit, die Geschichte von Bad Herrenalb lebendig zu machen.

Die Sammlung

Die Spitzen-Exponate, die im Ziegelmuseum gezeigt werden, stammen zum großen Teil aus der umfangreichen Sammlung von Edmund Bernt aus Flacht/Weissach, einem anerkannten Experten auf diesem Gebiet. Zusammen mit dem Förderverein hat er die Ziegel ausgewählt und zur Verfügung gestellt.

Edmund Bernt sammelt auch leidenschaftlich Fossilien, (Link)

Wichtiger Bestandteil ist die didaktische Begleitung zur Geschichte des Daches, der Ziegel und die Sozialgeschichte des Zieglers. Auch diese wurde vom Sammler selbst erarbeitet.

Die Historikerin und freie Journalistin Silke Rudolf bearbeitete die Texte der 22 Infotafeln des Museums. Werner Popp steht für die Grafik. Beide aus Flacht/Weissach.

Das Konzept

Das ehrenamtlich geführte Museum Bad Herrenalb bietet außer der Dauerausstellung mit Ziegeln auf insgesamt 200 qm Räume für kleinere Wechselausstellungen und einen Kreativ-Bereich zum Mitmachen.

Die Geschichte der Ziegel von den ältesten Zeugnissen bis hin zur modernen Industrieware wird ebenso dargestellt wie das Handwerk der Ziegler. Besonderes Gewicht liegt jedoch auf der Präsentation und Erklärung der Feierabendziegel. Hierfür sind mehrere Räume reserviert, in denen Feierabendziegel in verschiedenen thematischen Gruppen abwechslungsreich und mit überschaubarer Beschreibung vorgestellt werden. Für alle Interessierten steht auch tiefer gehendes Informationsmaterial zur Verfügung. Aber auch das Anfassen und Mitmachen kommt nicht zur kurz. Manche Ziegel reizen zum In-die-Hand-Nehmen, und Kinder können selbst ein Dach decken.

Kurz gesagt: Das Museum bietet Menschen aller Altersgruppen Gelegenheit, sich anhand des Alltagsgegenstands Ziegel einen lebendigen Einblick in vergangene Zeiten zu verschaffen.

Über dieses unmittelbare Angebot hinaus verfolgt das Museum auch übergreifende Ziele. Indem es mit seinen Exponaten für die Bedeutung eines Natur- (Ziegel werden aus natürlichen Rohstoffen hergestellt) und Kulturerbes sensibilisiert, leistet es einen Beitrag zur allgemeinen Bildung. Es erschließt elementare Bereiche vergangenen Lebens und gibt auf anspruchsvolle und zugleich menschlich berührende Weise Neues über Land und Leute zu erkennen. Mit dieser Zielsetzung ist das Museum für Einheimische und Touristen gleichermaßen attraktiv und schafft in der Region Nordschwarzwald ein neues und einzigartiges Freizeitangebot.